Story 2

 

„Prüfen. Rufen. Drücken“ auf dem Flugplatz

von Daniel Fechtrup

„Der 8. Mai 2011 war ein sonniger Tag, den ich mal wieder auf dem Segelfluggelände am Flughafen Münster-Osnabrück verbrachte. Ich war damals 15 Jahre und kam fast jedes Wochenende zum Flugplatz, um dort meinen Segelflugschein zu machen. Alles war soweit normal, meine Vereinskameraden aus der Jugendgruppe und ich bereiteten die Segelflugzeuge auf den Abflug vor und kümmerten uns darum, dass der Flugbetrieb reibungslos ablief. Doch als ein doppelsitziger Flieger landete und der Pilot um Hilfe rief, ging alles ganz schnell. Ich rannte zur gelandeten Maschine und erkannte, dass der Passagier in sich zusammengesunken war.
Sofort dachte ich an eine Checkliste:
1. Prüfen
2. Rufen 
3. Drücken
Diese wurde mir im Rahmen des Projektes „Schüler werden Lebensretter“ beigebracht, an dem meine ehemalige Schule, das Gymnasium Paulinum in Münster, von 2006 bis 2012 teilnahm. Hierbei bekamen die Schüler mehrmals jährlich Erste-Hilfe-Unterricht, der den Schülern die Angst nahm, im Ernstfall einzugreifen.

Da der Mann nicht ansprechbar war, suchte ich den Puls, fand aber keinen. Hebt und senkt sich der Brustkorb? Nein. Auch auf einen Schmerzreiz, den ich setzte, gab es keine Reaktion. Deshalb alarmierte ich umgehend die Feuerwehr und forderte einen Rettungswagen an. Mittlerweile waren auch die anderen Fliegerkameraden herbeigelaufen. Als nächstes mussten wir den Mann irgendwie aus dem Flugzeug herausholen, was nicht ganz einfach war. Ein Segelflugzeug ist ungefähr 60cm breit und der Verletzte war recht schwer, aber mit etwas Unterstützung klappte auch das. Jetzt kam der wichtigste Punkt, die Herzdruckmassage, hier war ich zum Glück nicht alleine und bekam Unterstützung von einem Kollegen, der sich in der Freiwilligen Feuerwehr engagiert. Gemeinsam mit ihm führte ich die Herzdruckmassage und die Mund-zu-Mund-Beatmung durch. Zusammen klappte das gut, weil jeder genau wusste, was er zu tun hatte. Nach ca. 10 Minuten traf der Notarzt ein und übernahm die Herzdruckmassage und die Beatmung.

Danach fühlte ich mich wie nach einer langen Klausur und ruhte mich etwas aus. Am selben Abend erkundigte ich mich bei einem Freund, wie es dem Patienten, Herrn Zeine, geht. Ich erfuhr, dass er einen Herzinfarkt erlitten hat und im Koma liegt. Nach etwa 2 Monaten nahm ich Kontakt zu ihm auf und erfuhr, dass es ihm wieder richtig gut geht und er wieder arbeitet. Seitdem habe ich viel mit Herrn Zeine unternommen, wir waren zusammen im Stadion und er hat die Jugendgruppe bei einigen Renovierungen unterstützt. Mittlerweile verbindet uns eine Art Freundschaft.“

Über unsere Geschichte wurde mehrfach in den Medien berichtet, zum Beispiel hier: 

www.spiegel.de
www.bild.de
www.youtube.com



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